Gymnasium „In der Wüste”
Schülerbegleitung, Begabungsförderung, MINT-EC-Schule, Europaschule, Musikprofil, Sportfreundliche Schule

Gestalten - Planen - Modellieren

Von der Ideensammlung zum tragfähigen Konzept

Als erstes Herangehen an die Gestaltung und schulische Inwertsetzung der Brache lag eine Sammlung von Wünschen und Handlungsbedürfnissen, die aus den Erfahrungen der bereits seit 2005 bestehenden Gärten der Weltreligionen am Gymnasium „In der Wüste“ entstanden sind: Hier sollte eine nicht nur rein repräsentativen Zwecken dienende Neugestaltung entwickelt werden, sondern ein ganz konkret nutzbarer Garten. Dieser sollte ebenso der Entspannung in Pausen oder Freistunden dienen und damit die viel zu kleine Schulhoffläche entlasten, als auch einen ganzheitlichen Ansatz schulischer Lernprozesse ermöglichen. Der praxisnahe Bezug zu allen naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch vielen gesellschaftswissenschaftlichen Fragestellungen liegt auf der Hand. Als wesentliche Forderung war auf Anhieb klar, dass der Garten zum Mitmachen und Mitgestalten auffordern sollte, damit also den sich ändernden Erfordernissen entsprechend entwickelt werden kann, beispielsweise im Rahmen langfristig forschender Schülerprojekte.

Diese inhaltlichen Ansprüche mussten aber nun auch gestalterisch-kreativ umgesetzt werden. Da alle Beteiligten keine konkreten Erfahrungen mit der Gartengestaltung hatten, hatten wir zunächst in Ergänzung zum jüdisch-christlichen Garten eine gestalterische Assoziation zu Konzeptionen von frühen Klostergärten. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit Pflanzenbeständen, architektonischen Strukturen, symbolischen Bedeutungen von Klostergärten machte uns deutlich, dass die Gartenkultur einem steten Gestaltungswandel unterworfen ist, die Zeitgeist und Moden aller Epochen vorchristlicher Zeit bis heute widerspiegeln. Selbst der berühmte Klosterplan von St. Gallen ist demnach gleichzeitig mustergültig, aber nie umgesetzt worden, schon gar nicht an genanntem Ort. Dennoch konnten wir anhand der großen Vielfalt an Kräutern und die genau durchdachte Anordnung der Pflanzen als wichtigen Impuls die Bedeutung von Biodiversität schon damals bei gleichzeitig sinnvoll durchdachter Anordnung erkennen. 

Auch zogen wir die Gärten aus der Barockzeit zu Rate, welche sich vornehmlich durch ihre komplexen Symmetrien und aufwendigen geometrischen Formen auszeichneten. Zudem konnten wir uns an modernen Gartenarchitekturen orientieren, beispielsweise auf der Bundesgartenschau in Schwerin (Link: SOS). So hatten wir sowohl funktionelle als auch ästhetische Beispiele als Vorbild und Anreiz für die Gestaltung unseres Gartens.

Eindrücke vom ersten Planungstreffen am 1. Mai 2009: Praktische Überlegungen zu Werkstoffen und Dimensionen

Viele Ideen wurden nun gezeichnet, verglichen, diskutiert, verworfen, vermischt, optimiert, neu entworfen, umgearbeitet undsoweiterundsofort. Dabei ist neben planerischem Sachverstand auch Kreativität erforderlich, die immer wieder in Balance gebracht werden müssen. Dieser Prozess war sehr anstrengend, da er von jedem einzelnen sehr viel Energie, Motivation, Geduld und vor allem Kritikfähigkeit einfordert. Die Moderation und Beratung durch Fachleute war sehr hilfreich. Allen voran ist hier Carina Hagedorn zu nennen, die ihre Diplomarbeit an der FH Osnabrück über unseren Planungsprozess geschrieben hat.

Immer wieder wurden Ergebnisse der Schulöffentlichkeit vorgestellt, so zum Beispiel am Tag der offenen Tür im Mai 2009. Viele Schüler, Eltern und auch an unserem Gymnasium interessierte Grundschüler hatten die Gelegenheit, ihre Vorstellungen von einem Schulgarten auf Papier festzuhalten. Dieses wertvolle Meinungsbild konnte uns eine gute Rückmeldung über deren Erwartungen an die Umgestaltung der Fläche geben. Geäußert wurde beispielsweise der Wunsch nach einem „grünen Klassenzimmer“, einer Möglichkeit, draußen den Unterricht zu gestalten mit Sitzmöglichkeiten oder auch einer Art Pavillon, wie es in einem Garten der Fall ist. Ebenso stellte sich bei dieser Gelegenheit heraus, dass der zukünftige Garten ein neues Zuhause für die noch junge Schulimkerei mit ihren Bienenvölkern bieten könnte.

Nach und nach kristallisierte sich ein eher ungewöhnlicher Gestaltungsvorschlag heraus: Ein Garten mit der Form eines Tropfens. Im Rahmen einer Abstimmung der Planungsteams konnte er sich gegen eine Schnecken- oder Ammonitenform knapp durchsetzen.

Die Entwicklungsgeschichte unseres Gartenplans: Hier nur die wesentlichen Etappen...

 
 
 

Neben der interessanten und zugleich symmetrischen Ästhetik des Tropfens kam dem ganzen noch eine symbolische Bedeutung zu: Ein „Wassertropfen in der Wüste“ als eine Quelle neuer Natur und Lebens. Gleichzeitig werden inhaltlich wie symbolisch aktuelle Schwerpunkte der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verbunden, und zwar das Jahresthema der UN-Dekade „Wasser“ (2008) und das „internationale Jahr der Biologischen Vielfalt“ (2010) der Vereinten Nationen.

Viele funktionale und ästhetische Details zu dieser Tropfenidee mussten nun detailliert ausgearbeitet werden: Größe und Form von Gebäuden, Pflastermustern, Werkstoffe und Materialien wie Steine, Höhe und Nutzung von Beeten etc. Die Bewerbung um Förderermittel erforderte daneben das Erstellen von überzeugend dargestellten Konzepten und eine umfangreiche Administration. Bei der Suche nach Sponsoren entstanden viele Kontakte zu Verbänden und Firmen aus der Region. So konnten bei einem geologischen Stadtrundgang unter der Leitung von Timo Kluttig (Geopark Terra.vita) die hiesigen Baumaterialien wie Sandstein oder Muschelkalk in verbauter Form visuell bewertet wurden, sodass wir in direkter Anschauung Entscheidungen über die Auswahl von Werksteinen für die verschiedenen Nutzungsbereiche treffen konnten.

Gestaltung der Gebäude für die Schulimkerei: Grundrisse und Modelle in den Entwicklungsphasen

 

Eine besondere Herausforderung stellte die Gebäudefrage dar. Neben den vielen unterschiedlichen Erfordernissen (Schulimkerei, Bienenstand, Gartenwerkzeug …) waren hier auch das Baurecht und Sicherheitsfragen zu beachten. Wiederum wurden zahlreiche Modelle aus Ton geformt, an denen alle möglichen Vor- und Nachteile erörtert worden sind. Dabei entstanden neue Fragen: Sollten die Bienen eine eigene Etage bekommen? Immerhin sollten sie nicht direkt in den Garten, sondern hoch über ihm aus ihrem Stock fliegen, um sich gefahrlos verteilen zu können. Und reicht ein einziges Haus, um ausreichend Raum für alle erforderlichen Arbeiten bieten zu können? Oder sind doch mehrere einzelne Häuser besser geeignet? Auch hier kam es auf maßstabsgerechte sachlich-kreative Lösungen an, deren Vor- bzw. Nachteile wieder zur konstruktiven Diskussion gestellt worden sind. Schließlich einigten wir uns auf eine Art Hof-Variante, die von unterschiedlichen kleinen Hütten als Funktionseinheiten eingerahmt wird, und von denen aus die Bienen optimal und gefahrlos beobachtet werden können.

Doch wie würde sich wohl dieser geplante Garten räumlich anfühlen? Zur Beantwortung dieser Frage galt es nun, den zweidimensionalen Plan maßstabsgerecht in ein dreidimensionales Modell zu überführen. Wieder sollten zur Gestaltung Naturprodukte verwendet werden – wir entschieden uns für Baumfrüchte, Samen, Kräuter und Gewürze. Verschiedene Ergebnisse dieser Entwürfe wurden wiederum für die Schulöffentlichkeit ausgestellt.

Nach etwa zweijähriger intensiver Zusammenarbeit waren alle Pläne umfassend ausgearbeitet und Förderer wie Sponsoren eingeworben, sodass wir alle den feierlichen Spatenstich am 27.09.2010 stolz genießen konnten.

Die Frage nach dem Raumgefühl: Erstellung von 3D-Modellen